Geburt eines Monstrums

 

O wie unrecht und unchristlich thun an die jenige, welche die Kinder auff das Abscheuligste mit allerhand Schand-Namen verunehren, sie Bracken, Raben, Hunde, ja wol gar Teuffel nennen.

Im Jahre 1595 zu Bacharach am Rhein soll ein Sauff-Bruder sein schwanger Weib, das ihn auß dem Wirsthause abholen wollen, freventlich angefahren haben mit diesen Worten: "Packe dich mit deinem jungen Teuffel, den du im Leibe trägst."

Drauff sie im Schrecken heimgegangen und bald darauff eine Frucht, so von oben einen Menschen, von unten einer Schlangen gleich gesehen, wiewol zu frühe geboren. De hat sich in sein Angesicht springend um ihn gewickelt und endlich in grossen Schmerzen zu todt gebissen. So bleibet kleiner unschuldigen Kinder Verachtung nicht ungestrafft! Und ist wol glaublich, daß Pharao in Egyten, weil er die kleine Israelitische Knäblein ins Wasser zu werffen und zu ersäuffen geboten hatte, deßhalben auch selbst im Wasser hat müssen umkommen mit aller seiner Mannschafft.

 

- Quelle: Rehermann 1977, 456, Nr. 28
- Sagen der Rheinlande, Gesammelt und herausgegeben von Hans-J. Uther
- Bouvier Verlag, 1998


main1.jpg (14439 Byte)